Anton Jakob Bucher Ausstellung im Kloster Stams
AUSSTELLUNG IM MUSEUM STIFT STAMS, NEUER KREUZGANG
2. 6. – 30. 9. 2026, Di - Sa 10-12 Uhr, 14-17 Uhr, Sonn- und Feiertag 14-17 Uhr
ERINNERUNGEN
JAKOB ANTON BUCHER (1927-2012)
Jakob Anton Bucher ist ein wachsamer und sensibler Beobachter von menschlicher Existenz
und ein Bewunderer der Schöpfung. Die Motive von Jakob Anton Bucher leben aus seinen Erinnerungen: an die großen Fragen des Daseins, an Bedrohungen und Hoffnungen des Menschen oder an atmosphärische Naturstimmungen. Der Nachlass Buchers ist in seinen Heimatort Hopfgarten zurückgekehrt. In der Ausstellung dokumentieren 24 Hauptwerke aus den Sammlungen von Anton Pletzer und Peter Ainberger in Hopfgarten den künstlerischen Werdegang Buchers.
Nach der Malerausbildung bei Anton Kirchmayr in Innsbruck (1941-1946) studiert Bucher von 1947 bis 1954 Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Professor Sergius Pauser, der ihm die später für seine Arbeitsmethode des Kopierens so wichtige Auseinandersetzung mit den verschiedenen Maltechniken der Alten Meister vermittelt. Zum künstlerischen Umfeld zählen damals Andreas Urteil, Hans Staudacher und vor allem Paul Meissner. Buchers Malauffassung zu dieser Zeit steht parallel zum expressiven Form- und Farbkanon und zur Abstraktion. Im Gleichklang mit der expressiven Abstraktion in der österreichischen Malerei reiht sich sein Werkblock mit in die erste Reihe der Exponenten dieser Bildsprache. Manchmal wird das statische Gefüge von fast kinetischen Bewegungstendenzen abgelöst. Insgesamt findet Bucher zu „lyrischen Abstraktionen voll sphärenhafter Transparenz und schwermütiger Versonnenheit“ (Dieter Gleisberg, Leipzig 1983).
Jakob Anton Bucher ist in der glücklichen Lage, durch Kopieren von Werken Alter Meister ein finanziell abgesichertes Standbein für seine freie Malerei zu haben. In der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste und im Kunsthistorischen Museum entstehen Kopien u. a. nach Dürer, Tizian, Velasquez, Rembrandt, Brueghel d. Ä. und Klimt. In seiner erstengroßen Ausstellung 1971 im Österreichischen Museum für angewandte Kunst in Wien zeigt er Motive von dämonischen Welten. Bucher beendet abrupt diese Serie von Lasurmalereien und interpretiert Landschaftserinnerungen in faszinierenden Impressionen im Atelier.
Neue Möglichkeiten der Bildwirkung vermitteln der Wechsel von der Öl- zur Acrylmalerei. Nach der Ägypten-Reise 1976 vermengt Bucher in einem Experiment seine Farbpigmente mit Sand. Die dadurch körnige, matte Malschicht zeigt Affinitäten zu Materialbildern, wie sie etwa auch bei seinen Malerkollegen Hans Bischofshausen oder Markus Prachensky evident sind.
1983 entstehen gewaltige Formbilder mit klangvoller Abstimmung des Kolorits und sensibler grafischer Linienführung. Man fühlt sich an Architekturfigurationen von Walter Pichler erinnert, an die tektonische Verstrebung von Körpern mit dem malerischen Raum. Dann tauchen monochrom volumenreiche Figurationen auf. Die „Totenwache“ ist wie ein Mahnmal für unser Dasein. Aktion und Gestik unterstreichen Körperformen und Raumvolumen. In den Neunzigerjahren tauchen expressive Komposition auf. Im „Höllensturz“ agieren die Körper wie Dämonen im Kampf um Gerechtigkeit.
Biografie
Am. 12. Juni 1927 in Hopfgarten geboren. 1941/46 Ausbildung für Kirchen- und Dekorationsmalerei beim akad. Maler Toni Kirchmayr in Innsbruck. 1947-1954 Akademie der bildenden Künste in Wien bei Sergius Pauser und Herbert Boeckl. Meisterschulpreis und Füger-Medaille in Silber. 1963 USA-Reise. 1971 erste Ausstellung im Österreichischen Museum für angewandte Kunst, Wien. 1973 Mitglied der Gesellschaft bildenden Künstler Österreichs, Künstlerhaus, Wien. 1974 Mitglied des Leitenden Ausschusses der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, Künstlerhaus, in Wien, 1975/77 deren Vize-Präsident und 1978 Verleihung der „Goldenen Ehrenmedaille“ des Künstlerhauses. Zahlreiche Studienfahrten: 1974 Ceylon, 1975 Kenia und Tansania, 1976 Ägypten, 1978 Nepal, 1980 Israel und Sinai, 1987/89 Teneriffa, Kenia und Thailand. 1984 lässt er sich in Purbach am Neusiedlersee nieder. 1987 Verleihung des Beruftitels Professor. 1999 Verleihung des „Goldenen Lorbeers“ der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, Künstlerhaus, Wien. 2010 erschien die Monografie „Jakob Anton Bucher“ im Folio Verlag, Wien-Bozen. Am 7. Oktober 2012 starb Jakob Anton Bucher in Wien.
Text von Dr. Gert Ammann

.Text von Dr. Gert Ammann
*
Kommentare
Kommentar veröffentlichen